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  • 01.06.2017
  • Dr. Walter Dormagen
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Gesünder Bauen > Schimmel

Gesundheitsprobleme durch Schimmel erkennen

Viele Krankheiten, Allergien aber auch andauernde Müdigkeit können durch Schimmelpilze hervorgerufen werden. Doch häufig wird das nicht oder zu spät erkannt! Baublog.de-Experte Dr. Walter Dormagen von TÜV Rheinland erklärt, was Schimmel ist und worauf man achten sollte.

Muffiger Geruch als Warnung

Stockflecken, schwarze Flecken auf Wandoberflächen und Tapeten oder ein muffiger Geruch sind häufige Warnzeichen für Schimmelpilzvorkommen in Gebäuden. Davon betroffen sind nicht nur ältere Gebäude. Auch neue oder renovierte Gebäude sind heutzutage des Öfteren von Schimmelpilzbefall betroffen. Häufigste Ursache für das Wachstum von Schimmelpilzen in Gebäuden ist erhöhte Feuchtigkeit, die auf Grund hoher Restfeuchte aus der Bau- oder Renovierungszeit stammt oder durch Baumängel oder falsches Lüften verursacht wird.

Da wir mit den Energieeinsparmaßnahmen der letzten Jahrzehnte die Gebäude immer dichter gemacht haben, wird die einmal in Gebäude eingebrachte Feuchtigkeit kaum mehr nach außen abtransportiert. Ergebnis ist, das je dichter wir Gebäude machen, umso mehr Sorgfalt müssen wir darauf verwenden, dass keine Bereiche entstehen, die durch erhöhte Feuchteaufkommen das Wachstum von Schimmelpilzen und anderen Mikroorganismen begünstigen oder sogar fördern.

Was ist Schimmel?

Schimmelpilze sind ein weit verbreiteter Bestandteil unserer natürlichen Umgebung. Ihre Sporen sind nahezu überall in der freien Natur und auch in Innenräumen anzutreffen. Bis heute sind über 100.000 Schimmelpilzarten beschrieben. Die Beschreibung der Schimmelpilze erfolgt mit lateinischen Doppelnahmen. Dabei gibt der erste Name die übergeordnete Pilzgattung (z.B. Aspergillus, Penicillium) und der zweite die spezifische Art (z.B. Aspergillus versicolor, Penicillium chrysogenum) an. Schimmelpilze sind ein Sammelbegriff für Pilze, die typischerweise Pilzfäden und Sporen bilden. Sie bestehen im Wesentlichen aus dem Mycel, einem Geflecht der einzelnen Pilzfäden den Hyphen Das Mycel meist ist meist farblos und daher vom Augenschein her kaum zu erkennen. Obwohl optisch nicht erkennbar, stellt es in der Regel den weitaus größten mengen- und auch volumenmäßigen Anteil des gesamten Schimmelpilzbewuchses dar. Daneben bestehen die Schimmelpilze aus den Sporenträgern und den oft gefärbten und damit optisch erkennbaren Sporen. Das, was wir z.B. an einer feuchten Kellerwand als Schimmelpilz identifizieren, sind häufig die kräftig gefärbten Sporen. Das ist auch ein Grund dafür, dass vom Augenschein her nicht zu erkennen ist, welcher Bereich z.B. eines Wandputzes insgesamt mit Schimmelpilz bewachsen ist und ggf. bei einer Sanierung entfernt werden muss.

Die Fähigkeiten und Eigenschaften der Schimmelpilze können positiv z.B. bei der Herstellung von Lebensmitteln genutzt werden, sie können aber auch Risiken für die menschliche Gesundheit darstellen. So werden Schimmelpilze einerseits bei der Herstellung der Weichkäsesorten Roquefort (Penicillium roqueforti) und Camembert (Penicillium camemberti) eingesetzt und sind da völlig unbedenklich. Andererseits können Schimmelpilze Gesundheitsrisiken für den Menschen durch den Verzehr von schimmelpilzbefallenen Lebensmittel und die von den Schimmelpilzen erzeugten Giftstoffen, den sogenannten Mykotoxinen verursachen. So kann der Schimmelpilz Aspergillus flavus, der oft Nüsse und Gewürze befällt, Aflatoxin B1 erzeugen. Dieser Giftstoff kann Leberkrebs verursachen und ist einer der stärksten krebserzeugenden Stoffe überhaupt.

Welche gesundheitlichen Probleme können Schimmelpilze verursachen?

Atemwegserkrankungen

Aus verschiedenen Studien ist bekannt, dass Menschen die sich in schimmelbelasteten Räumen aufhalten ein erhöhtes Risiko für unterschiedliche Atemwegserkrankungen wie z.B. Husten, keuchende Atemgeräusche und Atemnot haben. Auch die Symptome von bereits bestehendem Asthma können sich verschlimmern. Es gibt Hinweise, dass auch Bronchitis und allergische Rhinitis (Heuschnupfen) in schimmelbelasteten Räumen häufiger auftreten, allerdings sind diese Hinweise noch nicht eindeutig belegt.

Unspezifische Symptome

Neben den beschriebenen, und den Schimmelpilzen zuordenbaren Symptomen, klagen Raumnutzer in Anwesenheit von Schimmelpilzen in Innenräumen auch des Öfteren über unspezifische Symptome. Dabei handelt es sich vorwiegend um Reizungen von Augenbindehaut-, Hals- und Nasenschleimhaut sowie Husten, Kopfschmerzen oder Müdigkeit. Treten diese Probleme gehäuft in einem Gebäude auf, ist häufig vom sick-building-syndrom die Rede. Dieser Überbegriff wird verwendet, wenn vermehrt Menschen über die beschriebenen unspezifischen Symptome klagen. Außer durch Schimmelpilzvorkommen können auch Schadstoffbelastungen mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC), unzureichende Beleuchtung, falsch eingestellte Klimaanlagen und psychische Faktoren das sich-building-syndrom verursachen.

Bis heute gibt es noch keine abgesicherten Aussagen, die belegen, von welcher Schimmelpilzbelastung welches Risiko ausgeht. Die Wissenschaftler sagen dazu, dass es noch keine wissenschaftlich abgesicherte Aussage über eine Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen einer Schimmelpilzexposition also einer bestimmten Schimmelpilzbelastung und dem Risiko für gesundheitliche Beschwerden bei den betroffenen Personen gibt.

Bekannt ist, dass schon ein längerfristiger Aufenthalt in feuchten Innenräumen auch ohne erkennbares Schimmelpilzvorkommen zu einem erhöhten Risiko für Erkrankungen der Atmungsorgane, einer Atemwegsinfektion oder einer Verstärkung vorhandene Asthmaerkrankungen beiträgt. Das bedeutet, dass z. B. das Schlafen in nicht ausreichend isolierten und feuchten Kellerräumen auf Dauer ein Risiko für die genannten gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit sich bringt.

Sensibilisierung und allergische Reaktionen

Sowohl Schimmelpilzsporen, wie auch Bruchstücke von abgestorbenen Schimmelpilzen sind bei sensibilisierten Personen in der Lage, allergische und reizende Wirkungen hervorzurufen. Da für Allergietests bis heute nur eine unzureichende Anzahl von geeigneten Testallergenen zur Verfügung stehen, wird die Schimmelpilzbelastung häufig bei medizinischen Untersuchungen nicht als Auslöser für eine Allergie identifiziert. In einer umfangreichen Darstellung (Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“ 2007) wird angegeben, dass die Häufigkeit von Allergien, die durch Schimmelpilze in der Außen- und der Innenrauluft hervorgerufen werden, in der Gesamtbevölkerung zwischen 3 % und 10 % liegt. Das Umweltbundesamt berichtet in seiner Publikation zum Kinder Umwelt-Survey von 2003 bis 2006 (http:www.uba.de/uba-info-medien/4176.html), dass rund 6 % der 1790 getesteten Kinder im Alter zwischen 3 und 14 Jahren Antikörper gegenüber mindestens einem der getesteten Innenraumschimmelpilze aufwies.

Infektionskrankheiten

Wenn auch nur selten, so sind Schimmelpilze doch in der Lage, bei immungeschwächten Personen Infektionskrankheiten (systemische Mykosen) durch Befall innerer Organe zu verursachen. Dabei werden die Schimmelpilzsporen über die Atmung aufgenommen und im Körper verteilt, bevor sie in einem oder mehreren Organen zu Erkrankungen führen. Die Lunge ist für diese Erkrankungsform das am häufigsten betroffene Organ. Bei dieser Erkrankung spricht man von einer pulmonalen Mykose. Besonderen Risiken für eine systemische Mykose bestehen z. B. bei Menschen nach einer schweren Operation, nach einer Chemotherapie oder nach einer Transplantation. Weitere Risikofaktoren für das Auftreten von Mykosen, sind die dauerhafte Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem beeinträchtigen (z.B. Antibiotika, Antidepressiva), sowie Erkrankungen an Diabetes oder HIV. Ein erhöhtes Risiko Haben auch Personen, die an Durchblutungserkrankungen erkrankt sind oder Übergewichtige.

Eine wirkungsvolle Vorbeugung gegen das Auftreten von Mykosen besteht bei gefährdeten Personen darin, mögliche Infektionsquellen aus dem Umfeld der Gefährdeten fernzuhalten. Aus diesem Grund gilt heute in Krankenhäusern die Regel, dass Besucher keine Topfpflanzen mit Blumenerde ins Krankenhaus mitbringen dürfen. Zuhause kann man Vorbeugung betreiben, indem man ungeschützten Kontakt mit Kompost, Erde oder Biomüll möglichst vermeidet. Eine Impfung als sicheren Schutz vor einer Ansteckung mit der Aspergillose gibt es bislang nicht.

Reizende und toxische Wirkungen

Weitere Gesundheitsgefährdungen z.B. hinsichtlich reizender und toxischer Wirkungen, die durch Schimmelpilze verursacht werden, treten da auf, wo mit großen Mengen schimmelpilzbelastetem Material gearbeitet wird. Hier reden wir u. a. über Arbeitsplätze in Kompostieranlagen, in Müllsortieranlagen oder in der Landwirtschaft.

Mehr über die Bestandteile von Schimmelpilzen und deren Wirkung auf unsere Gesundheit erfahrt ihr hier.

Dr. Walter Dormagen

TÜV Rheinland

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