(c) SchwörerHaus

  • 15.05.2017
  • Volker Lehmkuhl
  • 53
  • 0
Renovieren > Möbel

Der Weg zu gesunden Möbeln

Ich habe vor vielen Jahren eine Reportage über ein schadstoffgeprüftes Haus gemacht. Mit viel Aufwand wurden Baumaterialien getestet, den Bewohnern unters Bett gelegt, Alternativen gesucht und gefunden. Mein Besuch fand kurz nach dem Einzug statt, überall standen noch Umzugskarton rum. Daneben Obstkisten voll mit Umzugsgut, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mit giftigen Pflanzenschutzmitteln behandelt waren. So ist das mit dem gesünderen Bauen, man muss eben auch an Nebensächlichkeiten denken.

Nun sind Möbel keine Nebensächlichkeit, sondern absolut notwendig. Ihr Design kann einem Raum erst die richtige Ausstrahlung geben, oder auch nicht.... 

Schadstoffe im Sessel

Hinsichtlich giftiger oder gesundheitsgefährdender Substanzen bieten Möbel ein weites Feld. Früher war es oft Formaldehyd, das mit seinem süßlichen Geruch überreichlich aus Spanplatten und anderen Holzwerkstoffen strömte und zu Unwohlsein und Kopfschmerzen führte. Heute sind es meist VOC Flüchtige organische Verbindungen, die in der Raumluft messbar sind.  Bezüge können optische Aufheller enthalten oder Leder krebserregendes Chrom. Folgende Label lassen bei den wichtigsten Schadstoffen nur minimale Mengen zu und sind eine gute Orientierung für gesundheitsbewusste Möbelkäufer.

DGM Logo BM D19630927 24x25eco INSTITUT Label printGUT 1OekoControl Verband KleinTÜV Rheinland MöbelBE Logo JuryUmweltzeichen menschumwelt

 

In die Liste der Label gehört auch das Zeichen "Schadstoffgeprüft" von TÜV Rheinland, einem der größten Prüfinstitute für Möbel. Auch die Zeitschrift "ÖKO TEST" testet immer wieder Möbel oder Zubehör wie Bettdecken.

Achtung bei Lacken, Ölen und Wachsen

Aber auch beim Veredeln oder Renovieren von Möbeln gibt es Stolperfallen. Wer schon mal ein Massivholzregal  mit Hartöl oder einer Öl-Wachs-Emulsion behandelt hat, kennt das. Tage- und wochenlang riecht das Teil und was da riecht sind in der Regel VOC. Das betrifft auch und vor allem"Öko-Produkte", die aus nachwachsenden Rohstoffen herstgestellt sind. Denn auch für diese Produkte braucht es Lösemittel, nur eben natürliche. Aber "öko" ist nicht immer gesund. Von daher solltet ihr emissionsarme Produkte nehmen, Holzöle und -wachse nur dünn nach Herstellerempfehlung auftragen, dieses wenn möglich außerhalb des Wohnraums tun und das Möbel einige Tage in einem gut gelüfteten Raum stehen lassen, bis sich die meisten Lösemittel verflüchtigt haben. Das gleiche gilt für Lacke oder Polituren. Zweitere können Messgeräte zu wahren Rekorden treiben, so hoch sind die VOC-Werte, die sie verursachen können.

 

Aufpassen solltet ihr auch bei alten Möbeln. Oft sind sie weniger schadstoffträchtig als neue, einfach weil die Substanzen schon Jahrzehnte Zeit hatten, aus dem Schrank oder Sessel zu verschwinden. Manch ein liebevoll historisierter Schrank, wurde in der Vergangenheit mit Holzschutzmitteln gestrichen, die nervengiftig sind und schwerste Krankheiten und Nervenschädigungen auslösen können, auch noch nach Jahrzehnten!

 

 

Beim Thema Möbel gibt es aber auch gute Nachrichten: Ich durfte letztes Jahr eine kurze Reportage über ein Fertighaus machen, das komplett mit Möbeln des blau-gelben Riesenladens aus Schweden eingerichtet war. Obwohl es eigentlich kein korrektes Messdesign war (normalerweise werden Häuser ohne Möbel gemessen), wurde das Haus auf seine Innenraumluftqualität überprüft. Und siehe da: Die Werte waren so gut, dass die Anforderungen des Umweltbundesamtes an eine gute Raumluft unterschritten wurden. Trotz der vielen Möbel. Offensichtlich hat man bei dem Anbieter mit den vier Buchstaben seine Hausaufgaben gemacht, nachdem es vor vielen Jahren eher negative Schlagzeilen gab.

Anhaltender Geruch ist ein Mangel

Ihr solltet das Thema aber nicht auf die leichte Schulter nehmen, ein Möbel das stark riecht, emittiert mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Schadstoffe. Dann sollte man versuchen das Teil zurückzugeben. Auch Gerüche können ein Mangel bei Möbeln sein, selbst wenn die ausgasenden Stoffe nicht gesundheitsschädlich sind. Dazu gibt es mehrer Gerichtsurteile. So dürfen nach Ansicht des OLG Köln von einer Parkettversiegelung nicht monatelang Geruchsbelästigungen ausgehen (OLG Köln 17.12.2002- 3 U 66/02). Entsprechend sprach das Gericht den Klägern Ersatzansprüche und Nutzungsentschädigungen zu. Ebenso urteilte das OLG Frankfurt im Falle einer Teppichbodenverklebung. Auch hier führte der starke, anhaltende Geruch zu einer Haftung des Verarbeiters (OLG Frankfurt 1.3.2000 - 23 U 221/96). Und im Falle von Schlafzimmermöbeln urteilte das OLG Bamberg ( 13.7.2009 – 6 U 30/09), dass ein Käufer starke Geruchsausdünsten neuer Möbel nach 13 Monaten nicht zu dulden braucht und sprach ihm eine Minderung des Kaufpreises um 100 Prozent zu. Also: nicht nur das Auge über das neue Möbel entscheiden lassen, sondern auch die Nase.       

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

Mehr erfahren

Kommentare

1000 Buchstaben übrig