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  • 26.06.2017
  • Volker Lehmkuhl
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Neuer Glanz für den Esstisch - Öl-Wachs entfernen und neu auftragen

Das vergangene Wochenende habe ich genutzt, um unseren Esstisch aus massiver Buche wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Nach etwa 12 - 13 Jahren war dieser Glanz schon ziemlich verblasst: Die wiederholz aufgetragene Öl-Wachs-Schicht war grau und dreckig geworden, außerdem hatten viele Hände ihre Spuren hinterlassen und auch der ein oder andere Wasserfleck (oder war es Rotwein?) hatte seine Spuren hinterlassen. Zeit also, das gute Stück einer Frischekur zu unterziehen. Das warme Wochenende war ideal geeignet, weil wir dann auf der Terrasse essen konnten. Denn ein bis zwei Tage ist der Tisch nicht benutzbar, da muss vorher eine Alternative gefunden werden. So sah der Tisch vorher aus. Links die wenig benutzte Einlegeplatte, rechts der Zustand nach jahrelanger Nutzung.

Tisch vorher 

Hier noch weitere Bilder vom Vorher-Zustand:

 Tisch vorher 3

Tisch vorher 2

 

Emissionsarme Pflegemittel gesucht

Ich hatte eine Weile gesucht, um die richtigen Mittel und Methoden zu finden. Auch weil ich kein Experte in diesen Dingen bin. Ich dachte, die Entfernung der alten Wachs-Öl-Schicht wäre bestimmt aufwendig und ging zuerst von Terpentinersatz als Mittel der Wahl aus. Da auf dem Tisch aber Lebensmittel ihren Platz finden und ich die Arbeiten ohne große Schlepperei im Wohnzimmer erledigen wollte, habe ich diese gesundheitlich hochbelastende Alternative wieder verworfen. Fündig geworden bin ich bei Biofa, einem renommierten Hersteller ökologischer und emissionsarmer Beschichtungsmittel und Naturfarben aus Bad Boll am Fuß der Schwäbischen Alb. Dort hat man mir eine Behandlung mit einem Grundreiniger (Napona) und die anschließende Neubehandlung mit Arbeitsplattenöl empfohlen. Gesagt, getan!

Tisch Material

Der Ablauf der Arbeitsschritte sah wie folgt aus:

  1. Napona 1:1 verdünnt mit Wasser auf den Tisch geben und mit einem grünen Pad (eine Art robuster Schwamm) nass schleifen.
  2. Den Schmutz mit einem Tuch abnehmen.
  3. Nach der Reinigung den Tisch mit klarem Wasser abwaschen und trocknen lassen über Nacht.
  4. Am nächsten Tag ggf Zwischenschliff mit 220 - 240 Korn Schleifpapier.
  5. Dann das Arbeitsplattenöl aufbringen, 30 Minuten einziehen lassen und dann trocken polieren.
  6. Eventuell am nächsten Tag noch ein paar Tropfen Arbeitsplattenöl aufbringen und gleich auspolieren.

 

Tischplatte reinigen

Nachdem ich eine Kunststofffolie unter dem Tisch drapiert hatte, habe ich für unseren Tisch mit 120 cm Durchmesser vier Verschlusskappen Napona mit der gleichen Menge Wasser in einer kleinen Edelstahlschüssel gemischt. Einmalhandschuhe an und los ging es. Das Mittel riecht kaum und wenn dann sehr angenehm. Man kommt sich fast vor, wie Frau Tilly aus der Palmolive-Werbung (die älteren von euch erinnern sich sicher). Entlang der Maserung der Holzes und an den Rändern habe ich dann mit etwas Druck die Platte bearbeitet. Das Mittel wirkt sofort und effektiv. Schon nach wenigen Minuten konnte ich eine Menge Dreck mit einem alten Frotteehandtuch abnehmen.

Den Vorgang habe ich dann noch mal wiederholt, besonders auf die Ränder muss man achten. Je nach Holzart sollte man nicht zu fest schleifen. Immer mal wieder von der Seite gegen das Licht auf die Oberfläche schauen, dann vergisst man keine Stelle.

Tisch Napona

Tisch Tuch Dreck

 

Mit Wasser abwaschen

Die Reste des Reinigers und des gelösten Wachses habe ich dann mit einem normalen Microfasertuch und nicht zu viel Wasser abgenommen. Den Schritt habe ich drei Mal wiederholt, bis das ausgewrungene Wasser einigermaßen klar war. Dann den Tisch trockenreiben und über Nacht trocknen lassen. Auch hier ist eine warme Witterung hilfreich!

Abschleifen oder nicht?

Am nächsten Tag  dachte ich zuerst , ich komme ohne Zwischenschliff aus. Nachdem die Platte getrocknet war, hatten sich die Holzfasern aber sehr stark aufgestellt. Also 240er Schleifpapier (220er geht auch) um den Schleifklotz gewickelt und sorgfältig geschliffen. Nicht zu fest drücken, an manchen Stellen mit Verfärbungen aber etwas mehr. Einen Maschinenschliff halte ich nicht für nötig. So aufwendig und kräfteraubend ist das nicht. Und die Gefahr, mit dem Schwingschleifer eine Stelle zu intensiv zu bearbeiten wollte ich vermeiden. Die Platte war dann sehr hell, fast wie gekalkt. Den Staub habe ich dann mit einem leicht feuchten Tuch abgewischt.

Tisch geschliffen

Arbeitsplatten-Öl neu auftragen

"Das riecht gar nicht so stark wie früher", sagt meine Frau, als sie zwischendruch mein Wirken begutachtet. Stimmt! Das Arbeitsplattenöl von Biofa ist laut Hersteller frei von Lösemitteln. Es ist auf Leinöl-Basis zusammengestellt. In getrocknetem Zustand ist es speichelfest und nach der entsprechenden Norm auch für Kinderspielzeug geeignet. Die Label auf der Dose bestätigen den positiven persönlichen Eindruck. Mit einem sauberen, weißen Tuch habe ich dann das Öl verteilt. Wichtig: Nicht zu viel nehmen, sonst klebt es rasch. Da unser Tisch ausziehbar ist, habe ich die beiden Hälften auseinandergeschoben damit kein Öl dort versickert. Das Öl bringt die Maserung sehr schön zur Geltung. Wenn man nicht zu viel poliert, ist die Oberfläche eher matt, wer es glänzender mag, muss mehr reiben. Dabei auch hier immer mal wieder von der Seite gegen das Licht betrachten damit keine unbehandelten Flächen zurückbleiben. Der Geruch des oxidierenden Leinöls (so entsteht die widerstandsfähige Oberfläche) ist spürbar aber nicht unangenehm. Nach einem Tag war dieser auch wieder so gut wie verflogen. Am darauffolgenden Tag habe ich noch ein paar Tropfen Arbeitsplattenöl eingearbeitet und fertig! Insgesamt habe ich etwa zwei Stunden für die Aktion gebraucht, da dauerte die Suche nach dem passenden Mittel deutlich länger. Unten gibt es noch ein Anwendungsvideo für das Ölen der Tischplatte.

Das Ergebnis: (Fast) wie neu!

Die Aktion hat sich mehr als gelohnt. Macken, Flecken und vor allem die unansehnlichen Stellen des alten Ö-Wachs-Gemisches sind weg. Die Platte hat wieder einen sehr einheitlichen Farbton, die Maserung (bei Buche ist die eher ruhig) kommt sehr schön raus. Nur sehr tiefe Macken und ein Abdruck eines Deckelrand sind nicht vollständig getilgt aber bei weitem nicht mehr so dominant wie vorher. Aber Patina gehört zu Massivholz ja auch dazu. Man(n) kann wirklich zufrieden sein!

WICHTIGER HINWEIS ZUM SCHLUSS: Ihr solltet beim Abschleifen unbedingt eine Staubmaske tragen, und zwar keine ganz billige für nur ein paar Cent. Besser sind Masken mit der Schutzklasse FFP 2 besser noch FFP 3, die auch gegen krebserregende Stoffe schützt. Denn Holzstaub ist von der Berufsgenossenschaft als krebserregend eingestuft. Zudem können Farben und Beschichtungen Kobalt als Trocknungsmittel enthalten, das ebenfalls als krebserregend eingestuft ist.
Mit Leinöl getränkte Lappen können sich selbst entzünden! Deshalb solltet ihr diese auswaschen und auf einem brandsicheren Untergrund trocknen oder luftdicht in einer Metalldose aufbewahren. Leinöl oder Leinölhaltige Produkte wie das Arbeitsplattenöl sind nicht selbst entzündlich.

Tisch fertig

   

 

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

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