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  • 01.08.2017
  • Volker Lehmkuhl
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Ausbauen & Anbauen > Dach > Dämmen & Dichten

ÖKO TEST: Dachdämmstoffe mit Note 1 bis 6

Nach langen acht Jahren hat die Zeitschrift "ÖKO TEST" wieder Dämmstoffe für die Dachdämmung untersucht. Die Spanne der Testergebnisse ist groß. Untersucht wurden in der Ausgabe 08/2017 insgesamt 15 Produkte unterschiedlicher Hersteller. Neben den Angaben der Produzenten zu Dämmwirkung, Brandschutzklasse, Preis pro Quadratmeter für bestimmte Dämmstärken und Dämmwerten interessiert den Leser natürlich vor allem die Untersuchung auf Schadstoffe. Während bei den Lösemitteln, also VOC = Flüchtige organische Verbindungen wie Formaldehyd alle Produkte unauffällig waren, gab es bei den "weiteren bedenklichen und  / oder umstrittenen Inhaltsstoffen einige interessante Ergebnisse.

Holzfaser-Dämmstoffe liegen vorn

So viel sei verraten: Die Spitzenposition "Sehr gut" teilen sich drei Produkte aus Holzfasern, darunter zwei Matten für die Zwischensparrendämmung und ein Einblasdämmstoff. Mit "Gut" bewertet hat die Redaktion insgesamt fünf Produkte aus Mineralfasern, also Glas- oder Steinwolle. Bemängelt wurden hier Gehalte von Schwermetallen wie Blei, Chrom und Arsen. Diese stammen wahrscheinlich aus den Metalllegierungen der Sprühtürme, in die die heißen und flüssigen Grundstoffe eingeblasen werden um zu Fasern zu erstarren und sind im eingebauten Zustand unkritisch allerdings bei der Entsorgung kritisch. Bei Zellulose bemängelt die Redaktion die Verwendung von Bor als Flammschutzmittel. Zahlreiche Borverbindungen stehen im Verdacht, die Fortplanzung zu gefährden. Zwei Produkte waren zudem mit Blei belastet. Keines der drei Zellulose-Produkte kommt deshalb über ein "Befriedigend" hinaus. 

Dass "Öko" nicht automatisch gesund bedeutet, bestätigen die ÖKO TEST-Ergebnisse für die getesteten Produkte aus Hanf, Kork und Wolle. Während die beiden ersten "stark mikrobiell belastet" waren, wertete die Redaktion mit Unterstützung des beauftragten Labors bei der Woll-Dämmplatte den hohen Gehalt an Permethrin stark ab. Permethrin soll das Naturprodukt vor Motten und anderen Schädlingen schützen. Das Pestizid ist aber stark  nervengiftig. Auch Schimmelsporen fanden die Tester bei einigen Produkten, die zu Allergien führen können. Im Fall einer Feuchtigkeitsbelastung, die im Dach immer mal wieder vorkommen kann, kann es zu einem Befall mit Schimmel führen.  Schlusslicht im Test war eine Aufdachdämmung aus Polyurethan. Auch hier werden die verwendeten Flammschutzmittel kritisch gesehen.

Das Heft 8/2017 mit dem kompletten Test mit allen wichtigen Erläuterungen und Bewertungskriterien gibt es aktuell am Kiosk oder gegen Bezahlung online hier

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

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Kommentare

Thomas Schmitz sagt:

Die ÖKO-TEST Bewertungen werden allerdings auch kritisch gesehen:
http://www.natureplus.org/index.php?id=157&no_cache=1&L=2&tx_ttnews[tt_news]=894
Die Umweltorganisation natureplus kritisiert, dass wichtige ökologische Parameter nicht in die Bewertung eingeflossen sind und dass der mikrobiellen Belastung ein zu großer Stellenwert zugeschrieben wird.


Volker Lehmkuhl sagt:

Informationen zu den Produkteigenschaften gibt die Zeitschrift in begleitenden Magazinartikeln vor allem in den Sonderheften wie dem Spezial "Umwelt und Energie" oder dem Ratgeber Bauen und Wohnen. Eine Betrachtung der mikrobiellen Belastung halte ich schon für relevant, weniger im Normalfall sondern im Schadensfall, wenn zum Beispiel Feuchtigkeit in die Dachkonstruktion eindringt. Wie die Redaktion das dann gewichtet, kann ich leider nicht sagen.


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