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  • 02.06.2017
  • Dr. Walter Dormagen
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Neubau > Bauweise > Fertighaus

Wohngesunde Fertighäuser

Ein Haus zu bauen ist eine komplexe Angelegenheit. Hunderte von Produkten werden von Dutzenden Menschen verarbeitet. Jedes Exemplar ist individuell und viele Dinge sind noch sehr handwerklich organisiert. Das muss kein Fehler sein, viele Baufirmen liefern gute Qualität. Andererseits liegt die Baubranche trotz ihrer Größe hinsichtlich der Standardisierung von Abläufen und Prozessen weit hinter anderen Wirtschaftszweigen zurück. Das führt auch zu Mängeln. Laut Untersuchungen des Verbands Privater Bauherren hat ein neu gebautes Einfamilienhaus in Deutschland rund 20 Mängel. Dazu gehören auch solche, die die Gesundheit der Bewohner beeinträchtigen können.

Eine (teilweise) Ausnahme vom handwerklichen Bauen sind Fertighausunternehmen. Diese liefern vorwiegend Häuser in Holzbauweise, einige auch in Massivbauweise. Zumindest die größeren Unternehmen haben ihre Abläufe und Prozesse weitgehend so gestaltet, dass immer die gleiche Qualität entsteht. Da nahezu alle Arbeiten in der trockenen Werkhalle nach industriellen Qualitätsmaßstäben erfolgen, sind die Chancen gut, dass auch in Sachen Wohngesundheit alles glatt läuft. Die Unternehmen haben im Prinzip den vollen Überblick welche Materialien und Bauteile in welchen Qualität Bestandteil ihrer Häuser werden. Sie haben auch den direkten Zugriff auf die Ausbildung und Qualifikation der Mitarbeiter im Werk, deren gewissenhafte Arbeit Voraussetzung für ein dauerhaft gesünderes Haus ist. Gleichzeitig erreichen Fertighäuser gemeinhin ein hohes Niveau beim Thema Energieeffizienz und der Einsparung fossiler Energieträger. Auch sind die Gebäude meist sehr luftdicht gebaut um Energieverluste und Bauschäden zu vermeiden.

Wohngesundheit muss das Unternehmen wollen und machen!

Manche Unternehmen haben zudem eigene Montagetrupps, aber längst nicht alle. Die Arbeit dieser Teams hat entscheidenden Einfluss auf die spätere gesundheitliche Qualität eines Fertighauses. Denn viele Dinge im Innenausbau geschehen vor Ort, nachdem die Gebäudehülle aus fertigen Elementen montiert wurde. Hier werden Oberflächen erstellt und beschichtet, wichtige Bauteile montiert und Sonderwünsche realisiert. Dabei können auch Produkte eingesetzt werden, die sich negativ auf die Qualität der Innenraumluft im fertigen Haus auswirken.

 

Alles in allem also gute Voraussetzungen für gesünderes Bauen. Dennoch ist hier durchaus noch Luft nach oben. Noch nicht alle Unternehmen setzen konsequent auf geprüft emissionsarme Baumaterialien für alle innenraumrelevanten Bereiche. Auch bei der Fortbildung der Mitarbeiter im gesünderen Bauen gibt es in der Breite noch Luft nach oben. Das gilt auch für die Menschen, die in den Musterhausausstellungen über die Häuser der Hersteller informieren, wie eine Stichprobe aus meinem Bekanntenkreis ergeben hat. 

Auch das Qualitätszeichen des führenden Herstellerverbands thematisiert einige wichtige Aspekte des gesünderen Bauens, aber längst noch nicht alle. Die Überwachung der individuellen gesundheitlichen Qualität im fertig gebauten Haus ist aber immer noch die absolute Ausnahme. So wird das Zeichen auch vergeben, wenn nur alle zwei Jahre ein einziges Haus im Werk auf wenige Schadstoffe hin gemessen wird. Dass dies auch anders möglich ist, seht ihr im Video unten, das das gesundheitliche Qualitätsmanagement der Firma SchwörerHaus vorstellt. 

In loser Folge findet ihr hier in Zukunft Porträit von Fertighausunternehmen oder Reportagen von geprüft gesünderen Fertighäusern. Ich freue mich auf eure Rückmeldungen und Erfahrungen.

Dr. Walter Dormagen

TÜV Rheinland

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