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  • 11.07.2017
  • Volker Lehmkuhl
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Gesünder Bauen > Schadstoffe

Was macht Radon so gefährlich für die Gesundheit?

Man sieht es nicht, man riecht es nicht, man kann es nicht schmecken. Trotzdem sterben in Deutschland zirka 1.900 Menschen durch Radon. 2018 kommt ein neuer Referenzwert.

1.900 Tote jedes Jahr, das sind mehr als die Hälfte aller Menschen, die im Straßenverkehr sterben. Trotzdem ist Radon in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Vielleicht liegt das daran, wie man durch Radon stirbt: Niemand fällt auf der Stelle tot um, sondern das radioaktive Gas wirkt über Jahrzehnte, erst im höheren Alter entsteht Lungenkrebs.

Wie Radon wirkt

Radon (Rn 222) ist ein radioaktives Gas und entsteht durch den Zerfall von Uran, das überall in der Erdkruste vorkommt. Es dringt an die Erdoberfläche und verteilt sich dort. Die Konzentration in der Außenluft ist dadurch relativ gering. Gemessen wird diese in Bequerel je Kubikmeter Luft (Bq/m³). Mit der Atemluft wird Radon eingeatmet und gelangt in die Lunge. Das Gas hat eine Halbwertszeit von rund vier Tagen und wird zum größten Teil wieder ausgeatmet. Gefährlich ist nicht das Radon selbst, sondern vor allem die kurzlebigen, radioaktiven Zerfallsprodukte. Diese radioaktiven Isotope der Elemente Polonium, Wismut und Blei lagern sich an in der Luft befindlichen Schwebeteilchen (Aerosole) oder kleinsten Staubteilchen an, gelangen in den Atemtrakt und zerfallen dort vollständig. Dabei entsteht eine energiereiche, radioaktive Alphastrahlung, die auf die strahlenempfindlichen Lungenzellen (Bronchialepithel) wirkt. Die Strahlung kann das Erbgut der Zellen schädigen, die sich dann zu Krebszellen entwickeln können. Unten findet ihr ein gut gemachtes Video des Bundesamts für Strahlenschutz dazu.

Wer hat ein besonders hohes Lungenkrebsrisiko durch Radon?

Besonders Raucher sind gefährdet! Laut einer vom Bundesamt für Strahlensicherheit, der wichtigsten deutschen Behörde hinsichtlich Radioaktivität, ausgewertete Studie liegt das Risiko, bis zum 75. Lebensjahr an Lungenkrebs zu erkranken bei Nichtrauchern ohne Radonbelastung bei von 4,1 Sterbefällen pro 1.000 Personen. Bei einer Radonbelastung von dauerhaft 800 Bequerel sterben statistisch 9,3 von 1.000 Nichtrauchern an Lungenkrebs. Bei Rauchern steigt die Zahl der Todesfälle durch Lungenkrebs im selben Alter von 101 je 1.000 Personen ohne Radonbelastung (Null Bequerel) überproportional auf 216 Lungenkrebstote je 1.000 Raucher bei 800 Bequerel im langjährigen Durchschnitt.

Wo muss man besonders auf Radon achten?

Radon ist überall in unserer Umwelt messbar. Das Risiko ist aber nicht überall gleich: Denn der Anteil radioaktiven Gesteins und damit von Radon in der Bodenluft ist in einigen Regionen deutlich erhöht. Beispiele sind der Bayerische Wald, das Erzgebirge, das Voralpenland und die Region nördlich von München. Auch Teile des Thüringer Waldes, der südliche Schwarzwald sowie die Region um Kiel sind auffällig. Darüber hinaus gibt es noch regionale Hotspots. Auf der Seite des Bonner Radonspezialisten Dr. Joachim Kemski gibt es eine kostenfreie, interaktive Möglichkeit, die Radonbelastung für den eigenen Land- oder Stadtkreis abzufragen. Allerdings ist das lediglich eine Einschätzung, wie dringend eine Messung im eigenen Haus ist. Denn nur eine solche Messung vor Ort stellt sicher, ob man Radon in erhöhten Konzentrationen im Haus hat. Nachfragen kann man auch beim jeweiligen Geologischen Landesamt oder der örtlichen Baubehörde.

Ist mit dem neuen Referenzwert alles gut?

Nein! Im April 2017 hat der Bundestag eine umfassende Neuordnung des Strahlenschutzrechts verabschiedet. Darin ist der Referenzwert von 300 Becquerel je Kubikmeter Raumluft festgeschrieben. Das ist das laut EU-Verordnung minimale Schutzniveau aber immerhin ein Fortschritt. Denn bislang gab es nur Empfehlungen, die auch noch je nach Bundesland unterschiedlich waren. Aber: Ein niedrigerer Wert wäre laut EU ausdrücklich möglich gewesen. Zahlreiche Experten, etwa vom Bundesamt für Strahlenschutz und andere, hatten intensiv für einen Referenzwert von 100 Bq/m³ geworben. Doch mehreren Bundesländern waren die Konsequenzen zu teuer. Denn der niedrigere Wert hätte die Zahl der Gebäude, die entsprechend saniert werden müssten, deutlich erhöht. Auch bei Neubauten wäre der Aufwand in den genannten Regionen höher, den Wert einzuhalten. Das betrifft sowohl öffentliche Gebäude, aber auch private Gebäude.

Hier lest ihr ab Donnerstag 20.7. über Möglichkeiten, wie ihr den Radongehalt in eurem Haus oder Wohnung selbst messen könnt, um eure Gesundheit langfristig zu schützen.

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

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