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  • 20.10.2017
  • Volker Lehmkuhl
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Gesünder Bauen > Schadstoffe

Schlechte Luft macht Kinder krank und verhindert Lernerfolg

Es hat zwar nicht direkt mit einem gesünderen Zuhause zu tun, aber als Eltern und Großeltern wollen wir ja unsere Kinder und Enkel auch in der Schule und in der Kita gut und gesund aufgehoben wissen. Deshalb hier der Hinweis auf einen guten Beitrag des ARD-Magazins plusminus. 

Anschaulich thematisiert dieser die gesundheitlichen Belastungen für Lernende und Lehrende durch schlechte Raumluft in Klassenzimmern. Der Bericht zeigt einerseits den Zusammenhang zwischen der CO2-Konzentration in der Raumluft und der Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler. Bei einem improvisierten Versuch stieg der CO2-Gehalt schon vor Ende der Schulstunde auf mehr als 3.500 ppm, wenn nicht zwischendurch gelüftet wurde.  Und dies trotz vermutlicher Undichtheiten der augenscheinlich alten Fenster. Empfohlen werden bei Kohlendioxid unter 1.000 ppm.

Experten wie Dr.-Ing. Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt und Dr. med Frank Bartram, Vorsitzender des Deutschen Bundesverbands der Umweltmediziner DBU, weisen in dem Beitrag zudem auf die erhöhte Schadstoffbelastung in schlecht belüfteten Klassenzimmern hin. Dazu muss nicht einmal, wie im Beitrag gezeigt, eine PCB-Belastung des Gebäudes vorliegen. Die Konzentrationen von Feinstaub,  flüchtigen organischen Verbindungen VOC, Schimmelsporen und Krankheitskeime sind in schlecht belüfteten Klassenzimmern deutlich erhöht. Das führt dann nicht nur zu schlechterem Lernerfolg durch mangelhafte Konzentration, sondern eben auch zu Kopfschmerzen, Unwohlsein, Augenreizungen. Im schlechtesten Fall sind auch Allergien auf Schadstoffe in Klassenräumen zurückzuführen. Die Situation im Klassenzimmer mit vielen Personen auf engem Raum ist nicht mit einem normalen Kinderzimmer oder Wohnraum zu vergleichen. Doch die Konsequenzen für die Gesundheit der Kinder, ihre Chancen dem Unterricht zu folgen und die gesundheitlichen Risiken sind ähnlich. Um euren Kindern und Enkeln zumindest zuhause eine gesunde Umgebung zu bieten, sind geprüft emissionsarme Bauprodukte, von der Wandfarbe bis hin zum Bodenbelag also eine gute Sache. Und gar nicht nenneswert teurer, wie unser Beitrag zum gesünderen Kinderzimmer zeigt

plusminus CO2

 

Luftqualität in Klassenzimmern wird nur selten untersucht

Wer sich wundert, warum seine Kinder oft müde, lustlos und schlapp aus der Schule kommen oder von Kopfschmerzen berichten, sollte dort beziehungsweise bei der Gemeinde nachfragen, wie es um die Luftqualität im Klassenzimmer bestellt ist. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das niemand so genau weiß. Darauf lässt die Umfrage von plusminus schließen. Die Redaktion hat alle Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern befragt, ob diese die Luftqualität in Klassenzimmern messen. Von 79 Städten in Deutschland haben immerhin 51 geantwortet. Davon messen nur 12 regelmäßig, nicht einmal jede vierte. Geht man davon aus, dass Großstädte personell besser ausgestattet sind als Kleinstädte und Gemeinden, von denen viele ja ebenfalls Schulträger sind, sind Raumluftmessungen die absolute Ausnahme. Eine Karte der Umfrageergebnisse findet sich hier.

Angesichts des schlechten Abschneidens vieler Schülerinnen und Schüler in Vergleichstests, zuletzt des IQB-Tests, stellt sich die Frage, ob nicht eine Ausstattung aller Schulen mit CO2-Ampeln und die Fortbildung der Lehrenden und Schulverantwortlichen für bessere Luft im Klassenzimmer einen Beitrag zu besserem Lernen leisten könnte. Dass sich daraus Konsequenzen für die raumgesunde Sanierung vieler tausend Schulgebäude und entsprechender Kosten ergeben würden, lässt vermuten, dass eine solche Messkampagne vielleicht doch nicht auf stürmische Gegenliebe stoßen wird. Im Sinne unserer Kinder wäre es gleichwohl.

 

 

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

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