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  • 13.04.2017
  • Dr. Walter Dormagen
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Gesünder Bauen > Schadstoffe

Altbau: Schadstoffmessungen richtig in Auftrag geben

Auch im schönste Altbau können Schadstoffe enthalten sein. Bevor man teuer sanierte Renovierungen und Umbauten wieder rausreißen muss, sollte man ein Gutachten in Auftrag geben. Das aber richtig.

Genau hinschauen lohnt sich

Schadstoffe wie PCB in Fugenmaterialien oder Farben, Lindan und DDT im Dachstuhl, Polyaromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) im Parkettkleber oder Schimmel hinter der Wandverkleidung – die gängige Praxis früherer Jahrzehnte können einen als Käufer eines Altbaus ins Schwitzen bringen. Vor allem finanziell, da eine Sanierung etliche tausend Euro kosten kann.

Angebote vergleichen

Auch die Untersuchungen auf Schadstoffe sind teuer, vier- und fünfstellige Beträge sind rasch ausgegeben. Da sollte man sich auf die Ergebnisse von Schadstoffmessungen dann auch verlassen können. Denn diese haben häufig Konsequenzen mit großer Tragweite. Denn von ihnen hängen der Umfang und die Kosten einer Sanierung ab. Nicht zuletzt lassen sich damit Haftungsansprüche an den Verkäufer begründen und vor Gericht belegen. Deshalb sollten Sie gezielt nach qualifizierten Experten Ausschau halten und nicht irgendwen mit irgendwelchen Messungen beauftragen.

Angebote für Schadstoffmessungen vergleichen.

Schon aus wirtschaftlichen Gründen sollten sie mehrere Angebote einholen. So können Sie Preise und Leistungen vergleichen. Wichtig sind Qualifikationsnachweise und Referenzen. Denn eine falsch vorgenommene oder ausgewertete Messung ist schlicht herausgeworfenes Geld. Die Bewerber müssen nachweisen, dass sie über eine Systemzertifizierung nach der Normenreihe DIN EN ISO 9000 ff verfügen. Auch müssen sie eine Labor- und Probenahmeakkreditierung nach der DIN EN ISO/IEC 17025 haben. Damit kann eine Prüfstelle einen hohen Qualitätsstandard ihrer Arbeit nachweisen. Mitarbeiter von entsprechend akkreditierten Stellen nehmen an regelmäßigen Weiterbildungen teil und setzen ausschließlich geprüfte und geeignete Messgeräte ein. Außerdem beteiligen sich solche Labore und Institute regelmäßig an Ringversuchen zur Qualitätssicherung. Achten sollte man auch auf Neutralität. Im Angebot sollte unbedingt bescheinigt sein, dass die Messungen und deren Auswertung neutral erfolgt und frei ist von anderweitigen wirtschaftlichen Interessen.

Billige Messgeräte taugen wenig

Häufig gibt es Probleme, weil die Messgeräte keine ausreichend präzisen Ergebnisse liefern. Einige preisgünstige Verfahren sind eben nicht anerkannt und werden mit ungeeigneten oder nicht kalibrierte Probenahmegeräten durchgeführt. Solche Ergebnisse können mit offiziellen Richt- oder Grenzwerten nicht verglichen werden und haben im Zweifelsfall vor Gericht keine Beweiskraft. Der Probennehmer sollte auch nur solche Verfahren einsetzen, für die offizielle Stellen Bewertungskriterien veröffentlich haben. Das sind zum Bespiel das Umweltbundesamt oder andere Institutionen, etwa die der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute (AGÖF), die Orientierungswerte für viele Stoffe veröffentlicht hat. Um es klar zu sagen: Geld für Untersuchungen auszugeben, deren Ergebnisse nicht mit Grenz-, Richt- oder Leitwerten verglichen werden können, ist sinnlos.

Messbedingungen beachten

Die Temperatur im Raum, die relative Luftfeuchte und wie und wie lange vor und während der Messung gelüftet wurde, beeinflussen die Messergebnisse. Soll zum Beispiel eine Belastung unter ungünstigen Bedingungen ermittelt werden, ist es sinnvoll, den oder die Räume etwa 15 Minuten intensiv zu lüften, anschließend zu verschließen und dann nach acht Stunden die Raumluftmessung durchzuführen. Wichtig sind die klimatischen Bedingungen wie Temperatur und relative Luftfeuchte, die unbedingt mit geeigneten Messgeräten erfasst und im Bericht dokumentiert werden müssen. Nur dann kann man die Ergebnisse richtig beurteilen.

Auch der Ort und die Methode, wo und wie Staub- oder Materialproben genommen werden, sind für das Ergebnis entscheidend. Bei der Entnahme von Materialproben muss exakt die Entnahmestelle beschrieben werden. Auch eine Dokumentation im Bauplan und mit Fotos ist hilfreich.

Nur sinnvolle Messungen beauftragen

Ein erfahrener Gutachter schlägt Ihnen nur solche Untersuchungen vor, die auf die Problemlage angepasst sind. Also ob zum Beispiel gesundheitliche Probleme vorliegen, unangenehme Gerüche den Aufenthalt im Haus vorkommen oder allgemein nach dem Baujahr entsprechenden Schadstoffen gesucht wird. Schon allein deshalb macht es Sinn, mehrere Angebote einzuholen. Eine Untersuchung auf Schadstoffe, die normalerweise beim Baujahr und Typ des Hauses in der Regel gar nicht vorkommen sollten, muss genau begründet sein. Zum Beispiel, wenn das Haus in späteren Jahren umgebaut oder saniert wurde.

Noch ein Tipp zum Schluss: Da man sich als Bauherr mit den reinen Prüfergebnissen nicht auskennt und diese auch nicht beurteilen kann, sollte die Interpretation und Bewertung der Ergebnisse im Leistungsumfang des Angebotes enthalten sein inklusive erster Empfehlungen für die weitere Vorgehensweise. Nur so kann man dann auch die entsprechenden Schlüsse daraus ziehen und die passenden Sanierungsmaßnahmen daraus ableiten.

Dr. Walter Dormagen

TÜV Rheinland

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