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  • 06.11.2017
  • Volker Lehmkuhl
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Gesünder Bauen > Recht

Silberfischchen in der Wohnung sind kein Mangel

Wer eine Wohnung kauft und danach ein massives Vorkommen von Silberfischchen vorfindet, kann den Kauf nicht rückgängig machen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm festgestellt. Der Fall, über den der Infodienst Recht und Steuern der Landesbausparkassen berichtet, stellte sich wie folgt dar: Eine Frau erwarb zum Preis von 117.000 Euro eine Eigentumswohnung. Wenige Wochen nach der Übergabe stellte sie nach eigenen Angaben erstmals fest, dass das Objekt von Silberfischchen befallen sei. Diese hätten sich dann im Laufe der Zeit immer mehr ausgebreitet und seien trotz intensiver Bekämpfung nicht vollständig zu vertreiben gewesen. Der frühere Eigentümer habe den Befall mit Insekten verschwiegen. Wegen dieses Sachmangels forderte die Käuferin eine Rückabwicklung des Vertrages.

Urteil zu Silberfischchen

Das Gericht kam dieser Ansicht nicht nach. In der Begründung heißt es, das Vorhandensein von Insekten – oder wie hier konkret: von Silberfischchen – begründet nicht automatisch einen Sachmangel. Erst dann, wenn die ganze Beschaffenheit des Objekts davon betroffen sei bzw. sich darin nicht mehr wohnen lasse, könne man davon sprechen. In einer gebrauchten Wohnung müsse der Käufer durchaus damit rechnen, dass solche Tiere auftreten. Bei einem 19 Jahre alten Objekt sei ein nicht allzu auffälliger Befall im Bereich des Möglichen. (Oberlandesgericht Hamm, Aktenzeichen 22 U 64/16).

Dazu muss man anmerken, dass Silberfischchen Insekten sind und keine Schädlinge. Bei diesen sieht die Rechtslage anders aus. So hat zum Beispiel das Oberlandesgericht München den Befall eines Hauses mit dem Hausbockkäfer, einem Holzschädling, als Mangel anerkannt und dem Verkäufer die Kosten für die (ziemlich teure) Beseitigung auferlegt. (OLG München · Urteil vom 9. November 2011 · Az. 20 U 3106/11)OLG München · Urteil vom 9. November 2011 · Az. 20 U 3106/11).

 

 

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

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