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  • 22.09.2017
  • Volker Lehmkuhl
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Renovieren > Fassade

Algen und Flechten an der Fassade: Reinigen oder streichen? Teil1

Sie gehören zu den größten Ärgernissen von Hausbesitzern. Algen, Schimmel oder Flechten, die die Optik des Hauses verunstalten. Hier erzähle ich euch, wo bei unserem Haus die Ursache lag und welche Konsequenzen wir gezogen haben.

Es geht um ein typisches Reihenendhaus, Baujahr 2001, zweieinhalb Geschosse, Porenbetonmauerwerk verputzt. Das Ärgerliche: Schon nach wenigen Jahren hatten sich auf der Giebelseite Flechten angesiedelt. Eigentlich ist das ein gutes Zeichen, denn Flechten wachsen nur dort, wo die Luftqualität gut ist. Aber bitte nicht auf meiner Hauswand! Die sah nach und nach immer schlimmer aus.

Fassade Algenfix Totale

Unser Haus im Frühjahr: Durch die Feuchtigkeit in der Luft und den häufigeren Regen sah das mittlerweile echt bescheiden aus. Links unten ein heller Fleck, wo ich versuchsweise mit dem Hochdruckreiniger ein Stück gesäubert habe. (c) Lehmkuhl

 

Anfangs konnte man das Problem noch ignorieren. Aber nach und nach nahm der Bewuchs zu und vor allem nach Regenfällen sah die Wand wirklich hässlich aus. Als vor einigen Jahren dann eine Nachbarin fragte, wann wir denn endlich den Dreck von unserer Fassade entfernen lassen würden, war klar, dass wir um eine Lösung nicht herumkommen würden.

Ich habe ihr dann erklärt, dass es sich nur um ein optisches Problem handelt und die Funktion der Wand und der Wetterschutz nicht beeinträchtigt sei. So richtig überzeugen konnte ich sie offensichtlich nicht. Denn ein ordentliches Haus mit sauberen Wänden gehört nicht nur bei uns in Württemberg zum Selbstverständnis vieler Hausbesitzer. Ach ja, da war unser Haus erst sechs oder sieben Jahre alt!

Algen und Flechten auf der Wand: Die Ursachen

Ich habe das dann noch eine Weile ignoriert. Ich hatte schlichtweg keine Lust, ein fast neues Haus schon wieder streichen zu lassen. Außerdem spielte natürlich das liebe Geld eine Rolle. Umso mehr hatte ich Zeit, mich mit den Ursachen zu beschäftigen. Denn eines war offensichtlich: Die Flechten wuchsen nur auf der Giebelwand! Auf den Traufwänden kein einziger Befund. Ok, der Giebel weist nach Westen, die Wetterseite. Aber auch auf die anderen Wände fällt Regen. Das hat mich doch stutzig gemacht und ich habe angefangen, mich zu informieren.

In den Fachmedien und den vielen Newslettern, die ich als Baufachjournalist bekomme, kochte damals das Thema ebenfalls hoch. Beteiligt waren fast immer Wände, die mit Polystyrol gedämmt waren. So auch bei uns: Die Giebelwand hat eine zusätzliche, acht Zentimeter starke Dämmung, die Traufwände bestehen durchgehend aus Porenbeton. Auf dem Bild einer Hausecke lässt sich das sehr gut sehen: Der Bewuchs und die damit einhergehende Verschmutzung ist nur auf der mit Polystyrol gedämmten Wand zu sehen, die Grenze der Dämmplatte markiert auch die Grenze des Befalls.

Fassade Algenfix Ecke

Der offensichtliche Beweis: An der Hausecke endet der Bewuchs mit den Flechten dort wo die Polystyrolplatte aufhört. (c) Lehmkuhl

 

Nach einigen Recherchen war damit auch die Ursache geklärt. Feuchte durch Regen, Nebel und Tau verbleibt länger auf der zusätzlich gedämmten Wand. Zum einen weil der Wärmedurchgang geringer ist, sprich die Wand dämmt besser, was ja auch beabsichtigt war. Andererseits verdunstet die Feuchtigkeit schlechter, weil sie sich schlechter verteilt, da direkt unter dem Putz die weitgehend wasserundurchlässige Dämmplatte sitzt. Auch ein Nachteil: An der Giebelwand gibt es so gut wie keinen Dachüberstand, der die Wand trocken hält. Aber das lässt sich im Nachhinein nicht mehr ändern und es hätte auch nur im oberen Teil der Wand etwas genützt.

Und da Flechten und Algen nur dort wachsen, wo Feuchtigkeit vorhanden ist, ist die Dämmung mit Polystyrol als Grund für die bescheidene Optik unseres Hauses entlarvt.

Folge 2: Der Weg zur Entscheidung – Die Kostenproblematik.

Folge 3: Ausführung und Fazit

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

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