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  • 28.09.2017
  • Volker Lehmkuhl
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Renovieren > Fassade

Algen und Flechten an der Fassade: Reinigen oder streichen? Teil 2: Die Kostenfrage

In der ersten Folge dieses Themas habe ich euch die Ausgangslage und die Ursachen für den massiven Bewuchs mit Flechten an unserer Hauswand geschildert. Nachdem ich mich jahrelang gedrückt hatte, war es dann Anfang 2017 nicht mehr auszuhalten. So unansehnlich war die Fassade geworden. Zu diesem Zeitpunkt war unser Haus rund 15 Jahre alt. Eigentlich kein Alter für eine Fassade, aber wenn ich mich in der Nachbarschaft umschaue – die Häuser sind alle in etwa gleich alt - steht seit einigen Jahren dauernd irgendwo ein Gerüst rum und die Maler sind zugange. Wir sind also nicht die einzigen, die mit wenig dauerhaften Anstrichen, schlechter Verarbeitung und grundlegenden bauphysikalischen Problemen zu tun haben.

Lust, für rein optische Verbesserungen viel Geld auszugeben, hatte ich immer noch nicht. Aber um überhaupt mal ein Gefühl für den Preisrahmen zu bekommen, habe ich einige Angebote eingeholt. Dessen Grundlagen sahen wie folgt aus: Reinigen und eventuell Streichen der Giebelwand, Länge 10 Meter, Höhe bis zum Dachfirst ebenfalls 10 Meter, übliche Zahl von Fenstern, als kleines Hindernis haben wir noch eine außenliegende Kellertreppe, die beim Stellen des Gerüstes einen kleinen Mehraufwand bedeutet.

Angebot Nr. 1: Nur Giebelwand streichen

Dieses bezog sich auf die üblichen Schritte: Gerüst stellen, Fassade reinigen und zwei Mal mit einer guten Farbe (von Caparol) streichen. Der Farbton sollte nach Auskunft des Malers so werden, dass man den Unterschied zu den beiden nicht gestrichenen Hausseiten kaum sieht. Kosten: 3.500 Euro komplett inklusive allem und Mehrwertsteuer. Wer sich jetzt vielleicht über den hohen Preis wundert und sagt, dass bei ihm das alles günstiger geht, sollte wissen, dass wir hier in der Region Stuttgart explizit im Daimler-County Böblingen für alles und jedes ein recht anspruchsvolles Preisniveau haben.

Ich habe das dann mal so registriert, wobei mir vor allem der hohe Anteil an Kosten für das Gerüst aufgefallen ist. Zudem war nicht sicher, wie lange das Gerüst dann stehen bleibt. Viele Maler, vor allem solche, die in einem Stadtteil viele Projekte nacheinander machen, lassen das Gerüst dann einfach stehen. Das nervt natürlich.

Am meisten hat mich bei dieser Variante aber der Gedanke gestört, dass nur ein Teil des Hauses neu gestrichen ist. Den Unterschied hätte man wahrscheinlich doch gesehen. Das hat dazu geführt, noch eine weitere Variante zu prüfen, nämlich

Fassade Algenfix Pult

Ein Detail, das beim Thema Fassade renovieren doh ziemlich ins Geld geht: Die kleine Pultwand am Dach. Hier ein Gerüst zu montieren ist aufwendig. (c) Lehmkuhl

 

Angebot Nr. 2: Das ganze Haus streichen

Zur Giebelwand wären die beiden, deutlich kleineren Traufwände und die Stirnwand des Pultdachs gekommen. Vor allem das aufwändige Gerüst vor der eigentlich sehr kleinen Pultwand, das auf dem Dach installiert werden müsste, verursachte wohl deutliche Mehrkosten. Denn trotz der vergleichsweise überschaubaren Zusatzfläche betrugen die Kosten: 8.500 Euro. Nach einem heftigen Schlucken habe ich einen zweiten Meisterbetrieb angefragt, der war aber auch nicht nennenswert günstiger. Außerdem konnte und wollte ich zu diesem Zeitpunkt nicht so viel Geld in die Hand nehmen. Das brachte mich zu

Angebot Nr. 3: Spezialreinigung und Schutzanstrich gegen Wiederbewuchs mit 5 Jahren Garantie

Dieses Verfahren hatte ich schon bei einem Nachbarn gesehen. Zudem lag irgendwann ein Flyer im Briefkasten. Wer eine einigermaßen dreckige Fassade hat, kennt das. Man wird doch recht häufig an der Haustür kontaktiert, um es mal neutral auszudrücken.

Doch das Angebot der Firma „Algenfix“ aus dem Nachbarort machte einen seriösen Eindruck. Zudem ist das Unternehmen aus einem bekannten Maler- und Stuckateur-Meisterbetrieb hervorgegangen. Die werden schon wissen was sie tun, habe ich mir gedacht, und mir die Vorgehensweise mal ausführlich angeschaut. Im Prinzip funktioniert da so: Die von Algen oder in unserem Fall mit Flechten bewachsene Fassade wird mit einem biozidhaltigen Mittel eingesprüht, das die Algen oder Flechten abtötet, danach wird die Wand mit einem vergleichsweise sanften Wasserdruck abgespült und zum Schluss mit einem ebenfalls biozidhaltigen Mittel behandelt, das den Wiederbewuchs für mindestens fünf Jahre verhindert. Vorteil: Ein Gerüst ist nicht nötig. Für Häuser wir unseres wird mit einer langen Lanze gearbeitet, für höhere Gebäude kommt ein Hubsteiger zum Einsatz. Die Referenzen sahen ebenfalls gut aus, also habe ich einen Beratungstermin vereinbart. Der verlief ebenfalls zufriedenstellend. Da ich noch einen Nachbarn im gleichen Hausblock mit dem gleichen Problem interessieren konnte und die beiden Giebelseiten an einem Tag zu bearbeiten waren, erhielten wir einen Rabatt. Somit beliefen sich die Kosten auf 1.250 Euro.  

Aus oben genannten Gründen, haben wir uns dann für diese Variante entschieden und einen Termin vereinbart. Der hängt etwas von den Wetterbedingungen ab. Es darf natürlich keinen Frost geben und nicht zu viel Wind. Denn sonst würde das Wasser gefrieren und zu viel von dem Mittel aus der langen Lanze weggeweht werden. Das ist ein Unterschied zur normalen Arbeit mit Gerüst, wobei die auch nicht arbeiten können, wenn es friert.

Ich habe mir dann doch auch noch einige Gedanken gemacht, wegen des verwendeten Biozids. Aber ganz ohne wäre es bei unserem extremen Befall nicht gegangen. Zudem wird ein Großteil des von der Wand herablaufenden Wassers aufgefangen, wiederverwendet und dann in dem Wagen, in dem die ganze Technik installiert ist, gelagert und anschließend entsorgt. Dazu wird am Fuß der Wand ein Auffangsystem verlegt, aus dem die Flüssigkeit abgesaugt wird.

Mit ein Grund für die Entscheidung war neben dem finanziellen Aspekt auch die Frage, wie wir das in unserem Hausblock machen. Der besteht aus vier Reihenhäusern, zwei Mittel- und zwei Endhäusern, die alle in der gleichen Farbe gestrichen sind. Schön wäre es, wenn alle weiterhin gleich aussehen würden. Das war aktuell aber nicht zu erwarten, denn die Mittelhäuser ohne Polystyrolfassade sehen einwandfrei aus. Von daher gab es für die Nachbarn keine Veranlassung, hier was zu unternehmen und Geld auszugeben.

Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr euer Haus streichen lassen? Wie lief das? Schreibt einen Kommentar, so bekommen wir zu dem Thema noch weitere Infos.

Wie das dann konkret ablief und wie mein Fazit ausfällt, lest ihr in der nächsten Folge.

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

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