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  • 08.05.2017
  • Volker Lehmkuhl
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Renovieren > Fenster & Türen

Fenster: Zwei oder drei Scheiben?

Wenn es um neue Fenster geht, wird viel über die Vorteile energiesparender Verglasungen mit drei Scheiben diskutiert. Doch Nachteile gibt es auch.

 

Der Trend ist eindeutig: Immer mehr Fenster werden mit drei statt bisher zwei Scheiben verkauft. Das hat Vorteile, vor allem hinsichtlich des Wärmeschutzes. Denn Fenster mit drei Scheiben haben deutlich niedrigere Energieverluste und machen Effizienz- und Passivhäuser erst möglich. Seit 2016 die Energieeinsparverordnung verschärft wurde, sind sie bei Neubauten im privaten Bereich Standard. Der Wärmekomfort ist deutlich besser, denn die Innenseite der Scheibe ist auch bei kaltem Wetter relativ warm. Es entsteht keine unangenehme Kaltluft, die am Fenster entlang Richtung Boden fließt. Entscheidend für den Wärmeschutz ist der U-Wert, angegeben wird er in Watt pro Quadratmeter mal Kelvin Temperaturunterschied, kurz: W/(m²K). Bei Fenstern gibt es gleich drei davon: Den U-Wert für das gesamte Fenster, erkennbar an einem kleinen w wie window nach dem "U". Die Dämmwirkung für das Glas alleine zeigt der Ug-Wert (g = glass) und über die energetische Qualität des Rahmens gibt der Uf-Wert Auskunft (f = frame). Insgesamt entscheidend ist der Uw-Wert.

Bei Renovierern beliebt

Technisch relativ einfach machbar sind heute Dreifachgläser mit U-Werten von bis zu Ug 0,5 bis 0,6 . Dazu werden die Scheiben auf der Innenseite beschichtet und der Zwischenraum mit dem Gas Argon gefüllt. Um noch besser zu dämmen, wird der Zwischenraum mit den teuren Edelgasen Krypton und Xenon gefüllt. Allerdings sind die solltet ihr euch von den technischen Eigenschaften des Glases allein nicht blenden lassen. Auch Fenster mit vier Scheiben werden wohl für absehbare Zeit Exoten bleiben. Sie sind einfach zu dick und zu schwer und der zusätzliche Wärmeschutz ist relativ gering.

Auch beim Austausch von Fenstern kommen immer häufiger Verglasungen mit drei Scheiben zum Einsatz. Nach der Energieeinsparverordnung EnEV ausreichend sind aber nach wie vor normale Wärmeschutzfenster mit einem Uw-Wert von 1,3 W/(m²K). Mit modernen Fensterrahmen ist der Wert auch mit Zweischeiben-Isolierglas zu erreichen. Dieses hat Ug-Werten von 1,0 bis 1,1 W(m²K) . Wer für seinen Neubau oder seinen Fensteraustausch die staatliche KfW-Förderung in Anspruch nehmen möchte, kommt um dreifach verglaste Fenster allerdings nicht herum. Denn die staatliche Förderbank schreibt einen Uw-Wert von 0,95 W/(m²K) (bei Dachflächenfenstern 1,0 W/(m²K)) vor, der nur mit Dreifachfenstern zu erreichen ist. Der Preisunterschied ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Auch das hat dazu beigetragen, dass Dreifachverglasungen heute nahezu Standard sind.


Schwerer und weniger Tageslicht

Die Nachteile von dreifach verglasten Fenstern: Sie sind etwa um die Hälfte schwerer, Fenster mit großen Scheiben können schon mal 100 Kilogramm und mehr wiegen. Wer nicht so kräftig ist, bekommt damit Nachteile. Die Fensterflügel kleiner zu machen oder Elektromotoren einzubauen, dürfte meistens keine passende Option sein. Mehr Wärmeschutz bedeutet zudem, dass bei Dreifachfenstern weniger Sonnenenergie durch das Glas dringt. Gemessen wird das mit dem sogenannten g-Wert. Er gibt an, wie viel Prozent Strahlungsenergie im Raum ankommt. Gute Dreifachgläser schaffen einen Wert von 0,6, also 60 Prozent manche Gläser haben aber auch einen niedrigeren Wert. Zweifachgläser sollten mindestens 65 Prozent erreichen. Je höher der g-Wert umso mehr Energie dringt durchs Glas. Das gilt auch für den sichtbaren Teil des Tageslichts. Lichtplaner wie der Hamburger Professor Peter Andres empfehlen deshalb, dreifach verglaste Fenster zehn Prozent größer zu machen als zweifach verglaste.  So komme die gleiche Menge des für unsere Gesundheit enorm wichtigen Tageslichts in den Raum. 

Hinsichtlich der Energieeinsparung gibt es bei innovativen Planern für Passivhäuser und Effizienzhäuser einen interessanten Trend: Fenster nach Süden, die durch die Sonneneinstrahlung übers Jahre gesehen mehr Energie gewinnen als durch sie verloren geht, werden als Zweifachfenster ausgestattet. So gelangt mehr kostenlose Sonnenenergie ins Haus. Fenster, die in die anderen Himmelsrichtungen, vor allem Richtung Norden weisen, sind dann energiesparend dreifach verglast.

Volker Lehmkuhl

Redaktionschef

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